Überblick über die wichtigsten Kaffeeanbaugebiete

Brasilien

Brasilien. Land des Samba und des Karnevals: Copacabana, Rio und Caipirinha. Land des tropischen Klimas: Amazonas, Regenwald und Panoan. Land der Fußball-WM 2014 und des Fußballs im Allgemeinen: Ronaldo, Pelé und Cafezinho. Moment… Cafezinho? Richtig, Brasilien ist auch das Land des Kaffees – das gilt sowohl für den Anbau und Export als auch für den Konsum. Cafezinho bezeichnet übrigens den gesüßten Espresso. Brasilien gilt als das Kaffee-Anbaugebiet schlechthin. Rund 34% der weltweiten Kaffeeproduktion stammt aus dem südamerikanischen Land. Anlass genug, unsere neue Artikelserie Die wichtigsten Kaffee-Anbaugebiete mit dem WM-Austragungsland zu starten.

Zahlen, Daten und Fakten zum Kaffee -Anbaugebiet Brasilien

Brasilien ist weltweit die siebtgrößte Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 2 Milliarden US-Dollar. Es werden überwiegend Eisenerz, Soja, Rohöl, Kupfer sowie Zivilflugzeuge ins Ausland exportiert. Außerdem zählt Kaffee zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen in Brasilien und sichert den Lebensunterhalt sehr vieler Menschen – und zwar den von etwa 4 Millionen Einwohnern. Nicht ohne Grund ist der Kaffeeproduzent Brasilien global gesehen das wichtigste Kaffee-Anbaugebiet und zudem auch in puncto Export weit vor den anderen Kaffeeländern. Vietnam ist sowohl in Sachen Produktion als auch Export derzeit die Nummer zwei.

Aktuell bangen Kaffeeliebhaber um die Ernte in einem der wichtigsten Kaffee-Anbaugebiete der Welt. Eine große Dürre, ausgelöst durch extreme Hitze und Trockenheit, sorgt für steigende Kaffeepreise an der Börse und die Bedrohung zahlreicher Kaffeebauern, denn diese müssen sich um ihre Ernte und somit um ihre Existenz große Sorgen machen. Für die hiesigen Verbraucher wird sich die Preisänderung jedoch höchstens erst nach dem Sommer bemerkbar machen – wenn überhaupt – womit wie so oft wieder nur jene Menschen darunter leiden, die ohnehin über keine großen finanziellen Freiheiten verfügen.
Kaffee gilt als sehr beliebtes Produkt für Spekulationen an der Börse. Der Markt wird dadurch jedoch größer dargestellt als er eigentlich ist: Die tatsächlich geerntete Menge ist 14 Mal kleiner als jene, die an der Börse gehandelt wird. Findet dort ein Preisanstieg von 20% statt, hat dies nicht automatisch zu bedeuten, dass der Verbraucher tatsächlich zu diesem Zeitpunkt einen höheren Preis für Kaffee zahlt. Es handelt sich hierbei lediglich um Prognosen der zukünftigen Preisentwicklung.
Durch die niedrigen Kaffeepreise im letzten Jahr ist die globale Kaffeeproduktion nun zurückgegangen. Es konnte weniger für die Pflege der Pflanzen ausgegeben werden, da die Marktprognosen sehr negativ waren. Daraus folgen Rückgang der Ernte sowie Qualität der Bohnen. Neben Brasilien leidet auch Vietnam unter der Trockenheit, die die Kaffeeernte bedroht, in Indonesien kommt es ebenso zu Ernteausfällen. Schlecht für Kaffeekonsumenten, dennoch gut für Brasilien: durch die allgemein schlechte Lage wird das Land aller Voraussicht nach keine Marktanteile verlieren.

Brasilianischer Kaffee auf einen Blick

  • Ernte: Mai bis November; die Kaffeebohnenlese erfolgt überwiegend per Hand; getrocknet wird in der Regel in der prallen Sonne
  • Klima: tropisch
  • Export: ganzjährig; verschifft wird von Santos, Salvador, Rio de Janeiro
  • Volumen: ca. 80.000.000 Säcke zu je 60 kg (Jahr)
  • Abnehmer: USA + Europa
  • Kritik: Produktionsbedingungen -> meist großzügiger Einsatz von Pestiziden
  • Geschmack: überwiegend mild mit wenig Säureanteil

Kolumbien

Eines der bekanntesten Kaffeeanbauländer Lateinamerikas ist Kolumbien. Denn hier wächst die beliebte Bohnensorte Arabica, die weltweit für ihr sanftes Aroma und die edle Qualität bekannt ist. In den Höhenlagen des Landes herrschen zudem optimale Voraussetzungen, um ganzjährig Kaffee zu kultivieren. Der Anbau von Kaffee ist seit der Übersiedelung der Kaffeepflanze im 18. Jahrhundert ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Besonders die Kaffeesorten Medellin und Armenia, die entlang der Kordilleren gedeihen, machen den Kaffeeumsatz von Kolumbien aus und genießen weltweit einen exzellenten Ruf.


Die Dominikanische Republik

Auch in dem von Tourismus geprägten Inselstaat der Dominikanische Republik wird mit langer Tradition Kaffee angebaut. Seit dem 18. Jahrhundert nimmt der Kaffeeanbau in der Dominikanischen Republik große Teile der Agrarwirtschaft ein. Es finden sogar internationale Wettbewerbe statt, bei denen der in der Dominikanischen Republik angebaute Kaffee stets weiter verfeinert und der sehr gute Ruf vorangetrieben wird. Man sagt den Kaffeebohnen aus der Dominikanischen Republik eine würzige, schokoladige Note nach. Besonders die Marke Santo Domingo ist sehr beliebt.


Äthiopien

Ein weiteres wichtiges Kaffeeanbaugebiet ist der afrikanische Staat Äthiopien. Wissenschaftler gehen davon aus, dass hier die ersten Kaffeepflanzen angebaut wurden. Mittlerweile leben rund zwölf Millionen Äthiopier vom Kaffeeanbau. Die Region Harer gehört zudem zu den höchstgelegensten Kaffeeanbaugebieten weltweit. Aus Äthiopien wird ebenfalls die Bohnensorte Arabica exportiert.

Äthiopien am Horn von Afrika gilt als das Ursprungsland des Kaffees. Der Legende nach wurde hier im 9. Jahrhundert die Wirkung des Kaffees entdeckt. Ein Hirte, dessen Ziegen die roten Bohnen gefressen hatten, wunderte sich über die starke Aktivität seiner Tiere und probierte die Früchte selbst. Über den Orient fand der Kaffee später seinen Weg nach Europa.

Kaffee ist in Äthiopien ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gilt als wichtigste Einnahmequelle vieler Menschen. Jeder vierte Äthiopier lebt vom Kaffeeanbau. Bislang rangierte das Land unter den Kaffeeproduzenten aber nur auf Platz Vier, hinter Brasilien, Vietnam und Kolumbien.